Aktuelles:
Aktuelles zur Insel Rügen und der Ostsee
Ostseezeitung vom 29.09.2009
Baubeginn in Lohme: Endlich wird das Kliff gesichert
Kein Platz mehr für Segler: Von einem Spezialschiff aus wurden Baumaterial und schweres Bohrgerät an Land gebracht.Lohme Der kräftige Wind aus Nordost wirbelt Staub durch den Hafen von Lohme. Das Dröhnen von Motoren mischt sich mit dem Rauschen der Wellen. Von herbstlicher Idylle kann hier seit gestern keine Rede mehr sein. Der Imbiss am Hafen ist verschwunden. Wo sonst die Urlauber flanieren, rollen jetzt die Bagger. Und wo sonst die Segler festmachen, liegt nun ein großes Bauschiff vor Anker. Auf den wenigen freien Flächen türmen sich Steine, Rohre und Säcke mit Zement. Gut vier Wochen später als geplant hat nun endlich die Sanierung des absturzgefährdeten Steilhanges begonnen.
Mit einem Spezialschiff aus Cuxhaven wurde die schwere Technik gestern nach Lohme gebracht. Kaum hatte der „Pott“ angelegt, machten sich die Fachleute der Firmen SAW aus Sagard und PS Spezialtiefbau aus Inzell in Bayern ans Werk. Ausladen und Aufbauen war angesagt. Heute soll es dann richtig los gehen: „Wenn alles nach Plan läuft, kommt bereits am Dienstag der Bohrer zum Einsatz“, so Bauleiter Jörg Gothow von Wastra-Plan aus Bergen. Das schwere Gerät soll insgesamt 21 Löcher bis zu 40 Meter tief in die Steilküste treiben. In die Bohrlöcher werden später Drainage-Leitungen eingebaut, um den Hang „trocken zu legen“. Die Idee dahinter: Das Wasser übt Druck auf den Hang aus und könnte ihn früher oder später zum Rutschen bringen. Fließt das Nass aber ab, ist die Steilküste sicher.
Doch bis dahin bleibt die Lage am Kliff kritisch — vor allem während der Arbeiten. Der Hang ist absolutes Sperrgebiet, Bauzäune versperren unten den Durchgang. Oben an der Treppe kontrolliert sogar ein Wachmann. Nur Arbeiter und Ingenieure dürfen durch. Der Wachdienst notiert akribisch, wer gerade am Hang arbeitet. Falls es zum Absturz kommt, wissen die Retter nach wem sie suchen müssen.
Damit es so weit gar nicht kommt, wird der Hang permanent überwacht: Auf einem Betonturm am Rande der Baustelle installierte Christian Zimmermann von der Firma Allsat aus Hannover gestern eine Art „Frühwarnsystem“. Ein Laser-Tachymeter tastet künftig rund um die Uhr mehr als 20 Messpunkte am Hang ab. Bewegt sich einer davon nur um Millimeter, schlägt das System Alarm. „Die Messstation wird auch nach Abschluss der Arbeiten bleiben“, sagt Gothow. Geht alles glatt, könnte die Hangsicherung noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.
Ostseezeitung vom 28.09.2009
Sanierung von Kliff in Lohme begonnen
Schwere Technik soll für ein stabiles Kliff sorgen: Die Sanierung des absturzgefährdeten Hanges in Lohme hat begonnen.Lohme (OZ) - Seit Montag sind am Hafen von Lohme Bagger, Bohrer und Handwerker für die Sicherheit im Einsatz: Eine Fachfirma aus Süddeutschland hat mit der Sanierung der bedrohten Steilküste begonnen. Die Fachleute sollen neue Entwässerungsleitungen verlegen und den Hang zudem mit Spezial-Dübeln sichern.
Bereits am Dienstag wollen die Arbeiter mit den Bohrungen starten. Die Ausrüstung wurde mit einem Schiff nach Lohme gebracht.
Möglichst noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Die Gemeinde hofft, dass nach erfolgreichem Abschluss der Arbeiten die Sperrung des Hanges aufgehoben werden kann.
Mitte Juni waren sechs Häuser am Hang, der Hafen sowie die Treppe zum Meer gesperrt worden. Der Landkreis und auch das Amt Nord-Rügen stützten ihre Entscheidung auf ein Gutachten, dass die Steilküste in Lohme als absturzgefährdet einstuft. Die betroffenen Anwohner hatten gegen das Nutzungsverbot geklagt, jedoch vor Gericht verloren.
Ostseezeitung vom 14.07.2009
Drainage für den Lohmer Hang

Mit Pressluft setzen die Arbeiter gegenwärtig geodätische Messpunkte. Diese Stangen werden von einem Gerät rund um die Uhr angepeilt. Jede kleine Veränderung wird so sicht- und messbar.
Foto: M. T.
Nächste Woche wird der instabile Hang in Lohme angebohrt und drainiert. Zurzeit installiert man dort Messtechnik zur Hang-Überwachung.
Lohme Die zwei Bauarbeiter haben Mühe, mit ihrer kleinen Ramme die etwa zwei Meter lange Eisenstange in die Erde zu treiben. Für Lutz Witt, den Leiter des Bauamtes im Amt Nord-Rügen,
ist das keine Überraschung. Hier am Lohmer Hang liegen Mergelschichten, die so fest seien wie Beton. Dennoch gilt der Hang als instabil: Das Wasser, das vom Landesinneren in Richtung Ostsee drängt,
kommt durch die wasserundurchlässigen Schichten nicht durch, staut sich dahinter und drückt gegen das Erdreich. Vor vier Jahren war unmittelbar vor dem Diakonieheim ein Stück des Hanges
abgestürzt;
seit diesem Frühjahr hat der Kreis mehrere Häuser, die im absturzgefährdeten Bereich stehen, sperren lassen.
In der nächsten Woche soll mit der Sanierung des Hanges begonnen werden. Mit 1,2 Millionen Euro will sich das Land daran beteiligen. „Das, was jetzt läuft, sind Vorbereitungsarbeiten“, sagt Jörg
Gothow, Ingenieur bei Wastra-Plan. Mit einer Sprühdose markiert er auf dem Hang weitere Punkte, an denen Pfähle eingeschlagen werden sollen. Insgesamt zehn solcher Messpunkte wird es am Steilhang
geben, weitere werden an der gesperrten Hafentreppe und am Café „Niedlich“ angebracht. Sie sind Bestandteil eines so genannten komplexen Monitorings. Die Veränderungen am Hang sollen während der
Bauphase in den kommenden Wochen und weit darüber hinaus so genau wie möglich festgehalten werden. Unten auf der Freifläche am Hafen nehmen Bauarbeiter der Firma SAW gerade die Pflastersteine
auf.
Hier soll ein Messgerät stehen, das über Monate ständig jeden der gesetzten Messpunkte überprüft. „Das ist praktisch so, als würde ein Vermesser rund um die Uhr wieder und wieder die Punkte
einmessen“, sagt Gothow. Nur, dass es automatisch erfolgt. Die Daten werden zu einer Schaltzentrale im oberen Hangbereich gesendet und sind permanent abrufbar. Das, so der Ingenieur, sei auch wichtig
für die Sicherheit der Bauleute, die ab kommender Woche hier arbeiten sollen. Deutet sich eine gefährliche Veränderung an, wird die Baustelle sofort geräumt.
Beginnen werden die Arbeiten, sobald das Bohrgerät da ist. Die Spezialmaschine kommt aus Inzell, wird auf Rügen auf ein Schiff geladen und in den Lohmer Hafen gebracht. „Über den Hang können wir ja
nicht.“ Das Gerät wird im Abstand von jeweils fünf Metern insgesamt 21 Bohrlöcher bis zu 40 Meter tief in einem errechneten Winkel in den Hang bringen. Der Bohrer soll bestimmte Punkte der
wasserführenden Schichten treffen. Wo die liegen, hatten die Ingenieure durch Untersuchungen in den zurückliegenden drei Jahren festgestellt.
Der Bohrer bringt gleichzeitig ein Mantelrohr in das horizontale Bohrloch ein, in das anschließend ein löchriges Drainagerohr geschoben wird. „Zwischen Mantel und Drainage werden wir einen Filter
bringen, damit sich die 0,3 Millimeter kleinen Löcher nicht zusetzen.“ Diesen Filter könne man später mit Wasser oder Druckluft wieder reinigen. Das Wasser, das aus den Drainagerohren läuft, wird im
Hafenbereich über die vorhandenen Straßeneinläufe in die Ostsee geleitet. „In dem Gebiet hinter dem Hafenkiosk bauen wir eine Kastenrinne aus Beton und gehen mit einem Ablauf einmal durch die
Steinpackung.“ Der Effekt: Wenn das ankommende Wasser langsam abfließen kann, drückt es nicht mehr so stark gegen den Hang, der dadurch sicherer wird.
Ob das funktioniert, können die Ingenieure relativ schnell sehen. Zusätzlich zu dem geodätischen Messfeld werden gegenwärtig mehrere Piezometer in den Hang gedrückt. Diese Geräte messen permanent den
Porenwasserdruck im Boden. Ein so genanntes Inklinometer soll mögliche Verschiebungen im Hang anzeigen: In ein vor drei Tagen vertikal in den Hang getriebenes Bohrloch kommt eine Art Kette aus etwa
zwei Meter langen Mess-Gliedern. Die hängt im Normalfall lotrecht nach unten. Drückt plötzlich an irgendeiner Stelle eine Erdschicht dagegen, zeigt das Gerät an, wo die Kette aus dem Lot kommt. „Auch
das ist einer der Bausteine, die wir zur Überwachung des Hanges brauchen“, so Gothow.
Zirka zehn Wochen wird das Einbringen der Horizontaldrainage brauchen. Der Hang muss auch danach überwacht werden. „In welchem Umfang das Monitoring weitergeführt wird, kann man jetzt aber noch nicht
sagen“, so Gothow. Auch wenn es um die Rückkehr der Menschen in die gesperrten Häuser geht, hält er sich mit einer Prognose zurück. „Das ist nicht unsere Entscheidung, sondern die des
Landkreises.“
MAIK TRETTIN
Ostseezeitung vom 04.07.2009
Lohmer Kliff ist jetzt Sperrgebiet
Lohme (OZ/AM) - Nur wenige Stunden später mussten die Häuser geräumt werden. Auch der Zugang zum Hafen sowie der Großteil des Hafens wurden gesperrt. Das Nutzungsverbot für die Häuser hatte der Landkreis angeordnet. 2005 war ein Teil der Steilküste in Lohme abgestürzt, daraufhin wurde auch der nun gesperrte Hang untersucht. Laut Gutachten ist er absturzbedroht. Erst nach einer Hangsanierung, die im August beginnen soll, könne Entwarnung gegeben werden. „Wir werden alles daransetzen, die Sperrung bald möglichst wieder aufheben zu können“, so Landrätin Kerstin Kassner (Die Linke). Gegen ihr Nutzungsverbot hatten zwei Betroffene — eine Imbiss-Inhaberin sowie die Betreiberin des „Café Niedlich“ — Beschwerde vor Gericht eingelegt. Die Richter lehnten nun auch die zweite Klage ab. Es sei Gefahr im Verzug und die Sicherheit der Menschen höher zu bewerten als Geschäftsinteressen der Betroffenen. Auch für einen dritten Kläger, einen Rentner, gibt es keine Hoffnung mehr: Seine Klage wurde gestern Nachmittag abgelehnt, er muss sein Privathaus räumen. Die Sperrung des Hanges müsse laut Verwaltung in der Saison erfolgen, weil die Sanierungsarbeiten am Kliff nur in der trockenen Jahreszeit möglich seien.
Ostsee-Zeitung vom 02.07.2009
Endgültig: Klippen-Bewohner müssen raus
Lohme/Greifswald (OZ/dpa) - Das Oberverwaltungsgericht Greifswald wollte am Donnerstag zunächst keine Auskunft zum Inhalt des Urteils machen, das erst noch den Klägern zugestellt werden müsse. Die Betroffenen selber bereiteten sich auf den verordneten Auszug vor. Auf einem Schild informierte etwa das „Café Niedlich“ seine Gäste: „Das ist unser letzter Arbeitstag, ab Freitag ist das Café geschlossen.“
Nach Angaben des Amtes Rügen wird die zum Hafen hinab führende Treppe abgeriegelt. Ein Zugang ist dann nicht mehr möglich. Das für kommendes Wochenende geplante Hafenfest zum 100. Jubiläum des Anlegers war bereits abgesagt worden.
In einem Gespräch hatte Landrätin Kerstin Kassner (Linke) den betroffenen Kleinunternehmern – eine Pension, ein Café, einen Imbiss, zwei Wohnhäuser mit Gästeunterkunft sowie einen Bungalow – Hilfe bei der Suche nach einem Arbeitsplatz sowie beim Auszug aus ihren Häusern zu. Der Landkreis könnte dafür Geld aus einem 1,2 Millionen Euro großen Hilfsfonds des Landes Entnehmen.
Im August sollen die Arbeiten zur Entwässerung und Sicherung des Hangs beginnen. Der Landkreis hofft, dass die Betroffenen zur Saison 2010 wieder ihre Häuser nutzen können.
Im März 2005 war in Lohme ein rund 130 Meter langes und 40 Meter breites Stück Steilküste in die Tiefe gestürzt. Ein unmittelbar an der Abbruchstelle gelegenes Diakonieheim musste abgerissen werden.
Ostsee-Zeitung vom 01.07.2009
Angst am Kliff: Hafenfest ist gestrichen
Lohme Annett Siewert lächelt — so gut sie es kann. Sie muss sich zum Grinsen zwingen, schließlich sollen die Gäste nichts von all den Problemen merken. Sie sollen ihr Eis genießen und den Ausblick vom Café Niedlich auf den Lohmer Hafen. Es ist doch Hochsaison und die Sonne scheint so herrlich. Dass es wohl die letzten Eisbecher sind, die Siewert vorerst serviert, verrät sie nicht. Auch nicht, wie es in ihr aussieht — zwei Tage vor dem Auszug. „Ich habe keine Ahnung, was jetzt kommt“, sagt Siewert. Gerade ist die 42-Jährige zurück von einem Treffen mit Landrätin Kerstin Kassner. Sollte Siewerts Klage vor dem Oberverwaltungsgericht abgelehnt werden, muss sie am Donnerstag ihr Café schließen. „Ich gehe fest davon aus, dass es so kommen wird.“ Manches auf der Speisekarte des Café ist ausverkauft — und neue Ware zu ordern lohnt nicht mehr. Ihre beiden Mitarbeiter wird Siewert entlassen. Sie werden Hartz IV beantragen müssen. „Arbeitslosengeld bekommen sie nur, wenn sie in zwei Jahren zwei Mal acht Monate am Stück gearbeitet haben. Doch das schaffen wir nicht mehr.“ Auf der Treppe zum Meer hingegen scheint es so, als wäre nichts passiert. Von der für Donnerstag bevorstehenden Sperrung weiß kaum jemand etwas. Die Besucher flanieren wie eh und je. Nichtsahnend. Sie machen Fotos, sie genießen den beginnenden Hochsommer. Auch Familie Luge aus der Nähe von Weimar (Thüringen) ist noch mal zum Hafen gegangen. Sie gehören zu den wenigen, die wissen, dass bereits am Donnerstag alles gesperrt sein könnte. „Das ist verdammt schade“, sagt Tochter Chiara-Sophie (10). „Es ist so schön hier.“ Mit ihrem Papa Kristian (32) und Mutti Daniela (34) wollte sie eigentlich einen Segeltörn unternehmen — von Lohme auf das Meer hinaus. Doch auch der könnte jetzt ins Wasser fallen. „Doof“ — findet Chiara-Sophie. Für die junge Urlauberin geht es um ein schönes Ferien-Erlebnis, für Torsten Rollin steht viel mehr auf dem Spiel: Geld und der Ruf Lohmes. Also versucht der Geschäftsführer der Touristik GmbH zu retten, was noch zu retten ist. „Wir mussten unser Fest zum 100. Geburtstag des Hafen absagen.“ Die Plakate für die Sause hängen noch überall im Ort. „Wir haben uns gegen Plan B entschieden. Dass Fest einfach vom Hafen in den Ort zu verlegen — das wäre niemals das Selbe gewesen“, sagt der Tourismuschef. Weil viele Urlauber aber eigens für die Feierlichkeiten angereist sind oder noch anreisen wollen, wurde bis zum Abend an einer kleinen Alternative gebastelt: Auf der Wiese des Haus am Meer soll nun doch gegrillt werden. Auch Kinderschminken und Live-Musik wird es am Sonnabend ab 14 Uhr geben. Ein Ersatz für das große Hafenfest ist das aber nicht. Die Feier soll nachgeholt werden. Ganz unten am Hang, im „Klöneck“, kann selbst das beste Wetter die Stimmung nicht aufhellen. Die Betreiberin und ihre Stammkunden sitzen im Schatten, verstehen die Welt nicht mehr. „Die müssen nicht nur raus, der Imbiss wird komplett abgerissen“, heißt es im Ort. An dem Gerücht ist etwas Wahres dran: Die Hütte am Meer muss den Bauarbeiten während der Hangsanierung weichen, soll aber neu errichtet werden — mit Glück schöner als je zuvor. Dann hätte die Betreiberin wenigstens einen kleinen Trost. Bis das so weit ist, brechen in Lohme aber dunkle Tage an — dem Sonnenschein zum Trotz.
Ostsee-Zeitung vom 30.06.2009
Gemeinde sagt Hafenfest ab
Das am kommenden Wochenende geplante Fest am Lohmer Hafen fällt aus. Die Bewohner der vom Absturz bedrohten Häuser ziehen zum Ende der Woche aus.
Lohme (OZ/dpa) - Das Lohmer Hafenfest, das zum 100. Jubiläum des Anlegers am 3. und 4. Juli ausgerichtet werden sollte, findet nicht statt. Wie die Touristik Lohme GmbH am Dienstag mitteilte, habe
man sich gegen eine Verlegung der Feier vom Hafen an einen anderen Ort entschieden. Mit dem Abbau bereits gelieferter Anlagen wurde begonnen.
Die Bewohner der Häuser am abrutsch-gefährdeten Hang werden ihr Häuser am Donnerstag oder Freitag verlassen. Darauf verständigten sie sich mit Landrätin Kerstin Kassner (Linke). In einem Gespräch mit
den Betroffenen sicherte die Landrätin Hilfe bei der Suche nach einem Arbeitsplatz sowie beim Auszug aus ihren Häusern zu.
Zwar ist noch eine Klage gegen die Räumungsverfügung vor dem Oberverwaltungsgericht Greifswald anhängig, doch werden dieser nur geringe Erfolgsaussichten eingeräumt. Bereits in der vergangenen Woche
hatte das Verwaltungsgericht Greifswald das vom Landkreis verhängte Nutzungsverbot bestätigt, das sich auf ein wissenschaftliches Gutachten stützt. Betroffen sind neben einem Imbiss, ein Café, eine
Pension, zwei Wohnhäuser sowie ein Bungalow.
Vor vier Jahren war am Kliff bei Lohme ein 130 Meter langes und 40 Meter breites Stück Steilküste abgebrochen. Ein an der Abbruchkante stehendes Diakonieheim musste abgerissen werden.
Im August sollen die Arbeiten zur Hangentwässerung und Hangsicherung beginnen. Danach soll es ein neues Gutachten geben. Der Landkreis hofft, dass die Betroffenen wieder in ihre Gebäude zurückkehren
können.
Ostsee-Zeitung vom 26.06.2009
Gericht bestätigt: Mieter am Lohmer Hang müssen raus
Das vom Landkreis Rügen verhängte Nutzungsverbot für die am Steilhang in Lohme stehenden Häuser ist rechtmäßig: Sechs Häuser werden geräumt.
Greifswald (OZ/dpa) - Das Verwaltungsgericht in Greifswald hat am Freitag die Klage einer Imbiss-Besitzerin gegen das Nutzungsverbot für ihr Häuser an der absturzgefährdeten Steilküste abgelehnt. Die Richter bestätigten die Ordnungsverfügung von Landrätin Kerstin Kassner (Die Linke). Sie beriefen sich in der Begründung auf Gutachten, die eine Standsicherheit des Gebäudes nicht mehr gewährleistet sehen.
Demnach müssen die betroffenen Anwohner, auch die Betreiber der Cafés und Pensionen am Hang, nun ihre Gebäude räumen. „Das Urteil ist für mich die Bestätitgung, dass Leib und Leben der Menschen oberste Priorität haben“, so Kassner in einer ersten Stellungnahme.
Sie hat die Betroffenen für Anfang kommender Woche zu einem Gespräch eingeladen. Dann werde auch geklärt, wann die Häuser definitiv geräumt werden müssen.
Die Klägerin hat nun die Möglichkeit, gegen die Entscheidung Beschwerde vor dem Oberverwaltungsgericht einzulegen.
Im März 2005 war nach Tauwetter und heftigen Niederschlägen in Lohme ein Steilküstenplateau von der Größe zweier Fußballfelder in den darunter befindlichen Hafen gerutscht. Ein benachbartes und seitdem am Abgrund stehendes Diakonieheim war daraufhin geräumt und im vergangenen Jahr abgerissen worden. Nach einer mit Mitteln des Landes finanzierten Studie drohen weitere Abbrüche.
Ostsee-Zeitung vom 25.06.2009
Lohme: Wird jetzt auch der Hafen gesperrt?
Sollte das Gericht sich auf die Seite des Kreises stellen, drohen Lohme schlechte Zeiten. Über eine Verlegung des Hafenfestes wird bereits nachgedacht.
Lohme Wird jetzt auch noch der Hafen gesperrt? Darf bald niemand mehr die Treppe zum Meer benutzen? Der Ärger um den Hang in Lohme reißt nicht ab. Gestern gab es schon wieder neue Hiobsmeldungen für
den Ort: Nach den sechs Gebäuden am Hang droht nun auch ein Nutzungsverbot für den Hafen und die Treppe. Selbst über eine Verlegung des Festes zum 100. Hafen-Geburtstag wird bereits nachgedacht. Von
einer möglichen Sperrung waren bisher „lediglich“ die sechs Gebäude betroffen. Der Hafen und auch die Treppe hätten weiterhin und uneingeschränkt genutzt werden können — weil sie nicht in die
Zuständigkeit des Kreises fallen. „Über eine Sperrung hat in diesem Fall allein das Amt Nord-Rügen zu entscheiden“, heißt es von Landrätin Kerstin Kassner (Die Linke). Nachdem eine Betroffene nun
Klage gegen die Entscheidung des Kreises eingereicht hat, wird aber auch das Amt in Sagard aktiv: „Sollte das Verwaltungsgericht in Greifswald die Ordnungsverfügung des Kreises bestätigen, werden
auch wir handeln“, so der Leitende Verwaltungsbeamte Karl-Heinz Walter. Heißt: Wenn die Häuser geschlossen werden, macht das Amt auch Treppe und Hafen dicht. „Das ist nur logisch“, sagt Walter.
Landrätin Kassner begrüßt diese Sichtweise: „Wenn der Hang tatsächlich ins Rutschen gerät, sind nicht nur die Gebäude sondern auch der Hafen gefährdet.“ Sogar die geplante Festwoche zum 100.
Geburtstag des Hafens steht auf der Kippe: Eigentlich sollten nahezu alle Programmpunkte direkt am Hafen stattfinden. „Doch ob wir an diesem Standort festhalten können, ist noch unklar“, heißt es aus
der Amtsverwaltung. Auch Torsten Rollin, Geschäftsführer der Touristik Lohme GmbH, bestätigt: „Wir denken darüber nach, das Hafenfest zu verlegen. In der Schublade liegt schon ein Plan B.“ Wenn der
Bereich am Meer gesperrt wird, will Rollin an die Hafenstraße ausweichen.
Wenn es wirklich zur Sperrung des Hafens kommen sollte — für den Tourismus im Ort käme das einer Katastrophe gleich: „Der Ärger um die Hangsicherheit wirft uns zurück“, so Rollin. Die Diskussionen
schaden dem Ruf des Ortes, schrecken Touristen ab. „Wenn die Schilder erstmal hängen und alles dicht ist, wird sich das für Jahre negativ auswirken.“ Hart würde eine Sperrung auch die Segler treffen:
„Den Hafen zu sperren, das ist Wahnsinn“, klagt Karl-Heinz Schaak aus Bremerhaven. Mit seinem Segelboot und seiner Frau ist der 71-Jährige auf dem Weg nach Bornholm. Weil der Nordost-Wind aber zu
stark ist, hat er vor vier Tagen in Lohme festgemacht. „Der Hafen Darßer Ort ist schon dicht, nun auch noch Lohme. Das ist für Segler fatal.“ Wer mit seinem Boot nach Bornholm oder noch weiter gen
Norden wolle, sei auf die Liegeplätze angewiesen. „Wenn hier dicht gemacht wird, müssen wir den Umweg über Schweden in Kauf nehmen — und dort unser Geld ausgeben“, so Schaak. Schlecht für Lohme wär
es auf jeden Fall: „Dieser Ort lebt vom Hafen. Ohne Hafen geht Lohme ein.“ So sieht es der Urlauber.
ANDREAS MEYER
Ostsee-Zeitung vom 23.06.2009
Klippen-Bewohner dürfen vorerst bleiben
Durch eine Klage haben die Bewohner von Lohme einen Aufschub für die geplante Räumung ihrer Häuser an der abbruchgefährdeten Klippe erreicht.
Lohme/Greifswald (dpa/OZ) - Die Hausbesitzer am gefährdeten Kliff in Lohme auf Rügen dürfen zunächst weiter ihre Häuser nutzen. Das Verwaltungsgericht Greifswald hat den Landkreis gebeten, bis zum
10. Juli von einer Räumung der Gebäude abzusehen, wie eine Gerichtssprecherin am Dienstag in Greifswald sagte.
Der Landkreis hat eigenen Angaben zufolge diese Forderung akzeptiert. Die Besitzerin eines Imbisses hatte gegen das in der vergangenen Woche ausgesprochene Nutzungsverbot Klage vor dem
Verwaltungsgericht eingereicht. Sie und die anderen Betroffenen sehen durch das Verbot ihre Existenz gefährdet.
Vier Jahre nach dem großen Küstenabbruch in Lohme hatte Rügens Landrätin Kassner die Nutzung mehrerer Gebäude an dem noch immer instabilen Areal verboten. Nach einem aktuellen geologischen Gutachten
seien Hang- und Standsicherheit der Gebäude derzeit nicht gegeben. Betroffen sind Pension, ein Cafe, ein Imbiss, ein Wohn- und Gästehaus sowie ein Wohnhaus und ein Bungalow.
Ostsee-Zeitung vom 19.06.2009
Neuer Ärger im Urlaubsort Lohme auf Rügen: Weil der Landkreis einen erneuten Hangabbruch an der Steilküste fürchtet, müssen sechs Häuser geräumt werden.
Lohme (OZ) - Betroffen sind ein Hotel, ein Café, ein Imbiss und auch ein Privatgrundstück. Die Eigentümer und Pächter dürfen die Gebäude ab Ende kommender Woche nicht mehr nutzen.
Nach Ansicht der Kreisverwaltung sind die Grundstücke akut bedroht. „Wir wollen mit der Ordnungsverfügung Leib und Leben der Bewohnern, aber auch der Gäste schützen“, begründete Landrätin Kerstin
Kassner (Die Linke) am Donnerstag ihre Entscheidung.
Die Anwohner wollen sich der Verfügung nicht einfach beugen. Sie halten den Hang für sicher, beurteilen ein Gutachten zur Hangsicherheit anders als der Kreis und fürchten nun um ihre Existenz. „Wir
werden gegen die Entscheidung kämpfen“, so der designierte Bürgermeister der Gemeinde Lohme, Matthias Ogilvie.
Einzige Möglichkeit, die Räumung der Gebäude doch noch zu stoppen, wäre eine Klage – doch dafür fehlt den meisten Betroffenen das Geld. Ogilvie hofft nun auf Hilfe aus Schwerin: Innenminister Lorenz Caffier (CDU) müssen die „katastrophale Fehlentscheidung“ des Landratsamtes korrigieren.
Im März 2005 war ein Küstenplateau von der Größe zweier Fußballfelder 20 Meter in den angrenzenden Hafen gerutscht. Das direkt am Abgrund stehende Diakonieheim Lohme musste gesperrt und im vergangenen Jahr aufwändig abgerissen werden. Die Kosten beliefen sich 500 000 Euro.
Ein vom Kreis angefordertes Gutachten ergab, dass mehrere Grundstücke gefährdet sind. Demnach liegen insgesamt 42 Häuser in zwei Gefahrenzonen.
Ostsee-Zeitung vom 18.06.2009
Abbruch-Gefahr: Kreis lässt Häuser in Lohme räumen
Sechs Häuser hat der Kreis in Lohme sperren lassen. Die Betroffenen wissen nicht mehr weiter: Wut, Enttäuschung, Verzweiflung machen sich breit.
Lohme Annett Siewert kann ihre Gefühle nur mit Mühe verbergen. Wenn sie über jenen Brief aus dem Landratsamt spricht, der ihr vor wenigen Tagen ins Haus flatterte, kämpft sie mit den
Tränen: Mit einem Schreiben setzt der Landkreis alles aufs Spiel, wofür die 42-Jährige in den vergangenen 15 Jahren hart gearbeitet hat. Siewert betreibt das Café Niedlich an der Steilküste von
Lohme. Ende kommender Woche muss sie schließen — weil der Kreis einen erneuten Hangabbruch fürchtet und daher aus Sicherheitsgründen die Schließung des Cafés angeordnet hat. Für Siewert ist das die
schlimmste aller Nachrichten: „Es geht um meine Existenz — und die meiner Familie.“ Ausgerechnet vor der Sommersaison, der umsatzstärksten Zeit, muss sie ihr Geschäft schließen. „Wieso sollen wir
jetzt über den Winter kommen?“ Diese Frage quält Siewert seit Tagen. Eine Antwort darauf kennt sie nicht. Der Kreis hat ihr sogar schon Schilder geschickt: „Betreten verboten. Lebensgefahr.
Küstenabbruch“, ist darauf zu lesen. „Wir müssen die Schilder anbringen“, sagt Siewert. Wenn sie es nicht tut, muss sie 1000 Euro Strafe blechen. „Das alles ist ein Schlag ins Gesicht“, sagt auch
Ilona Raimann (51). Sie betreibt nur wenige Meter weiter das „Klöneck“ am Lohmer Hafen und muss ebenfalls schließen. „Die Landrätin macht uns mit ihrer Entscheidung zu Hartz IV-Empfängern“, lässt
Raimann keinen Zweifel daran, wem sie die Schuld an ihrer ungewissen Zukunft gibt. Auch von der noch amtierenden Bürgermeisterin Britta Dürr ist Raimann enttäuscht: „Sie hat uns nicht geholfen.“ Die
Geschäftsfrauen leben seit Jahren am Kliff. Angst hatten sie noch nie. Auch nicht nach dem Abbruch vor vier Jahren: „Wenn die Gefahr so akut ist — warum hat der Kreis das hier alles nicht schon
früher gesperrt? Das Gutachten gibt es seit 2008“, empört sich Siewert. Auch Raimann fehlt das Verständnis: „Wir müssen schließen, aber die Treppe zum Hafen bleibt offen. Wenn wirklich etwas
passieren sollte, kommen auch die Leute auf der Treppe zu Schaden.“ Und überhaupt: „Wieso haben die Arbeiten an der Hangsicherung nicht längst begonnen? Der vergangene Winter war mild genug.“ Ihren
Mitarbeitern werden Siewert und Raimann kündigen müssen. Der einzige Weg, das Nutzungsverbot noch zu stoppen, wäre eine Klage. „Wir haben zwar Anwälte eingeschaltet, aber für eine Klage fehlt uns das
Geld.“ Die Frauen hoffen auf Hilfe aus Schwerin — genau wie Alfred Fitzner. Wo der 73-Jährige ab kommender Woche schlafen soll, weiß er noch nicht. Nur so viel ist ihm klar: Aus seinem Haus muss er
raus. Auch er darf sein Heim nicht mehr nutzen. „Nach dem Krieg wurden wir von den Russen vertrieben — und jetzt das!“ Sein ganzes Geld, all seine Ersparnisse, stecken in dem Haus. „Meine beiden
Ferienwohnungen sind schon geschlossen. Aber wo soll ich hin?“ In einem Plattenbau in Lohme seien noch zwei Wohnungen frei: „Vielleicht quartiert mich der Kreis ja da ein. Denn sonst sitze ich auf
der Straße.“ Auf Schadenersatz oder einen Ausgleich wird aber wohl auch Fitzner vergebens hoffen.
ANDREAS MEYER
17.01.2009
Feuerkugel löste grellen Lichtblitz aus
Ein greller Lichtblitz hat am Samstagabend, d. 17.01.2009 den Himmel über weiten Teilen Norddeutschlands erleuchtet. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall.
Um kurz nach 20 Uhr meldeten sich zahlreiche Menschen bei Polizeistationen und Radiosendern in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Sie berichteten von einem
bläulich-grünen Leuchten, das die Atmosphäre für einige Sekunden erhellte. Andere hörten eine Explosion. "Es gab ein dumpfes Grollen und ich spürte einen Druck auf der Brust", sagte eine Augenzeugin
in Rostock.
Der grelle Lichtschein, der rings um die Ostsee am Samstagabend für Aufregung sorgte, geht nach Ansicht von Weltraumexperten auf eine sogenannte Feuerkugel zurück. "Der genaue Absturzort steht aber noch nicht fest", sagte Wilfried Tost vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Berlin, welches das Europäische Feuerkugelnetzwerk betreibt.



