Fehmarn Festival 1970 - Love & Peace & Jimi

Zuerst versank es im Dauerregen und dann ging es in Flammen auf - in den Analen der Musikgeschichte steht das Love & Peace- Festival als Flop des Jahrhunderts. Doch die meisten der 25.000 Hippies und Rocker, die vom 4. bis zum 6. September 1970 auf die Ostseeinsel Fehmarn gepilgert waren, haben ganz andere Erinnerungen an dieses Festival.
Fehmarn wurde kein europäisches "Woodstock", wie es die Veranstalter versprochen hatten. Dennoch bleibt im Nachhinein der zweifelhafte Ruhm, dem Publikum das letzte Konzert von Jimi Hendrix geboten zu haben.


25.000 Blumenkinder trotzten dem Wetter. "Love & Peace" stand auf den handgemalten Pappschildern, die ihnen den Weg zu diesem sonst so ruhigen Ort gewiesen hatten; auf dem offiziellen Plakat hatte man so verlockende Namen gelesen wie: Ten Years After, Canned Heat, Ginger Baker, Alexis Korner, Sly Stone, Floh de Cologne, Ton-Steine-Scherben und, allen voran, Jimi Hendrix.

Jugendbewegt und blauäugig hatten die Veranstalter (Helmut Ferdinand und Timm Sievers aus Kiel) geglaubt, die große Sache im Griff zu haben. Beate Uhse als Hauptsponsor, die Hamburger "Hell's Angels" als Ordnungshüter - was sollte da schief gehen?

Der Sturm heulte vom Meer herüber und fing sich unter dem Bühnendach, so dass die Musik kaum zu hören war, viele der Stars blieben lieber in ihren Hotelzimmern, das Programm wurde laufend umgeändert, die Stromversorgung brach für Stunden zusammen, die Toiletten liefen über, die Rocker betranken sich - und als sie erfuhren, daß am Ende wohl kein Geld mehr da sein würde, sie für ihre Dienste zu bezahlen, da setzten sie die Bühne in Brand.

Während des Septemberwochenendes spielten u.a. Frumpy, Ginger Baker's Airforce, The Faces (mit Rod Stewart und Ronnie Wood), Mungo Jerry, Canned Heat, Embryo, Sly & The Familiy Stone und Rio Reiser sowie Jimi Hendrix. In der Presse kam das "Love & Peace-Festival" denkbar schlecht weg. Es war von "Chaos-Festival" und von Alptraum die Rede und rein musikalisch betrachtet waren die Konzerte in der Tat eher dürftig.


Fehmarn war ein Teil des Traums vom unreglementierten Leben. Allen Widrigkeiten zum Trotz war es gerade das Chaos, das die Botschaft der Anarchie verkündete. Alles war so herrlich unorganisiert; man wusste nicht, wo man das nächste Bier herbekommt und man wusste nicht, wie man zur nächsten Toilette kommen sollte. Weil es allen so ging, gab es eine große Hilfsbereitschaft und es entwickelte sich ein tolles Wir-Gefühl.

Alexis Korner übernahm die Moderation und bemühte sich, die Pausen zu überbrücken, um die wartenden Fans bei Laune zu halten. Das Jimi Hendrix dann tatsächlich kam und zwar nicht wie geplant am Samstag, aber doch am Sonntag spielte, versöhnte schließlich.

 

    * Killing Floor
    * Spanish Castle Magic
    * All Along The Watchtower
    * Hey Joe
    * Hey Baby
    * Message To Love
    * Foxey Lady
    * Red House
    * Ezy Rider
    * Freedom
    * Room Full Of Mirrors
    * Purple Haze
    * Voodoo Chile(slight return)

Das waren die letzten Titel, die Jimi Hendrix auf einer Bühne zum Besten gab. 12 Tage nach dem Fehmarn-Auftritt war Jimi Hendrix tot.

 

Jimi Hendrix-Gedenkstein
Der 2,5 m hohe und 6,5 t schwere
Findling ist mit folgender Inschrift versehen:

Jimi Hendrix
Fehmarn
Love & Peace Festival
04. - 06. Sept. 1970
Darüber wurde im Maßstab 1:1 eine Fender-Gitarre vom Steinmetz Andreas Leverenz eingemeißelt.

In jedem Reiseführer wird er erwähnt, aber kein Schild weist einem den Weg; vielleicht weil es ein Findling ist? Vom Parkplatz des Campingplatzes in Flügge wandert man ein paar hundert Meter Richtung Norden über den Deich, zur Rechten steht er dann.

 

Dieser Gedenkstein hat im Frühsommer 1997 seinen endgültigen Platz am Flügger Strand in unmittelbarer Nähe des alten Festivalgeländes von 1970 gefunden.